Raketen im Unterland

Simon Steiner beim Vortrag Pogo Pershing und Provinz in der Emma 23 Heilbronn

Simon Steiner / Norbert Prothmann / Barny Trouble, Emma 23 7. Juli 2018

Unter dem Titel Pogo, Pershing und Provinz präsentieren Simon Steiner und Norbert Prothmann eine um Heilbronner Lokalkolorit angereicherte Multimedia-Show des Buches „Wie der Punk nach Stuttgart kam“. Mal wieder ein parteiischer Bericht, denn ScharpingPershing ist Veranstalter.

In der Vorbereitungsphase zu Pogo, Pershing und Provinz sind meine Erwartungen als Veranstalter enorm: Wo ich auch anrufe, sei es Stadtarchiv, Kulturredaktion der Heilbronner Stimme oder Hanix, schlägt mir Interesse wenn nicht gar Begeisterung entgegen. Auch die Zahl der Personen, die via Facebbook Interesse bekundet, ist beachtenswert. So viele sind das bei einem Konzert von ScharpingPershing üblicherweise nicht. Als am Samstag kurz vor Acht gerade mal fünf Gäste da sind, stellt sich schnell Ernüchterung ein. Wir verschieben den Beginn nach hinten und es snd dann tatsächlich 25 bis 30 Personen im Publikum, als es los geht. Die Presse glänzt durch Abwesenheit, weshalb ich nun selbst die Nachschau betreibe.
Simon Steiner hat für sein Buch „Wie der Punk nach Stuttgart kam“ Die Entstehung und Entwicklung von Punk und Wave in der Region Stuttgart von 1977-83 untersucht. Eine wichtige Rolle spielen dabei Orte um Stuttgart herum wie Reutlingen und Pforzheim. Heilbronn ist dabei nicht wirklich vertreten. Trotzdem ergeben sich für den Vortrag Anknüpfungspunkte, so dass sich Heilbronn in den Erzählstrang einbinden lässt. Steiner und Prothmann verweisen auf die damals für viele beängstigende atomare Bedrohung hin. Heilbronn als Pershing-Standort ist hier unmittelbar betroffen.
Die Präsentatoren Simon Steiner und Norbert Prothmann (mit Hut)Das Publikum hört und schaut gebannt zu
Mehr mit Punk hat dann das Wave-Festival zu tun, das 1981 im Keller des Bürgerhauses Böckingen stattfindet. Damals treten mit Autofick, Zimt und anderen viele Stuttgarter Bands in Heilbronn auf. Mit dabei auch Norbert Prothmann bei seinem einzigen Auftritt als Gitarrist. Davon hören wir auch eine Tonaufnahme, wie die weiteren Stücke professionell von Barny Trouble als DJ abgespielt.
Völlig provinziell ist Heilbronn in Bezug auf Punk in den 80ern nicht. So ist der Plattenladen Musikuss in der Karlstraße tatsächlich so gut bestückt, dass Leute aus Stuttgart herfahren, um hier ihre Platten zu kaufen.
Als Zeitzeuge für Heilbronn hat dann auch Emma-Wirt Ozze seinen Auftritt und erzählt unter anderem vom Abhängen am Siebenröhrenbrunnen. Der lag früher tiefer, war links und rechts von Büschen gesäumt und damit „ein prima Platz um mitten in der Stadt zu kiffen“. Überhaupt ist der Vortrag am stärksten, wenn Steiner und Prothmann sich von ihrem Skript lösen und frei von Erlebtem berichten.
Die Musikbeispiele, die war an dem Abend hören, stammen bis auf zwei Stücke der Band Die Alliierten aus Mosbach alle nicht aus dem Raum Heilbronn. Das liegt dran, dass außer der Band Tiefschlag von Oliver Maria Schmidt – von der keine Tonaufnahmen auffindbar sind – keine Punk-Gruppe in dieser Zeit in der Region nachweisbar ist. Allerdings berichtet im Laufe des Abends ein Besucher von einer Band namens Sackrats. So richtig los mit Gruppen und Konzerten geht es erst Mitte der 80er los, als auch ich meine ersten Konzerte besuche.
Norbert Prothmann erl�¤utert das Gef�¼hl der atomaren Bedrohung anhand eines F.A.K-SongsDJ Barny Trouble, Simon Steiner, ScharpingPershig und Norbert Prothmann (von links)
Vielleicht lade ich mir hier zu viel auf, aber ich plane weiter zum Thema Punk im Unterland zu recherchieren und die Ergebnisse hier auf der Seite zu veröffentlichen oder noch einmal einen ähnlichen Abend zu veranstalten. Wer Flyer, Kassetten, Fotos oder Geschichten zu Punk aus der Region Heilbronn hat, darf sich gerne bei scharpingpershing beim netten Maildienst gmx.de melden. Aufgrund der in Kraft getretenen Datenschutzgrundverordnung habe ich auf diesem Blog bis auf weiteres die Kommentarfunktion abgeschaltet.
Den meisten Besuchern am Abend gefällt es wohl. Zumindest sammle ich beim Rumgehen mit dem Hut so viel Geld ein, dass alle Unkosten gedeckt sind.
Das Plakat zu Pogo, Pershing und Provinz