Einmal mit Profis arbeiten

Spika in Snüzz im Goldmark\'s Stuttgart

The Briefs / Spika in Snüzz, Goldmark’s 7. Dezember 2018

Meine liebsten Neo-77er-Punks Briefs enttäuschen auch nach längerer Pause nicht. Bei der hohen Dichte an altbekannten Gesichtern, könnte man sich fast in die frühen 2000er versetzt fühlen.
Die Vorband Spike in Snüzz spielt schon, als wir eintreffen. Punks älteren Semesters mit Sängerin. Nicht schlecht und einzelne Parts und Lieder finde ich richtig gut. Das Goldmark’s ist recht gut gefüllt und sehr vereinzelt nehme ich auch Tanzbewegungen war. Nachdem ich fünf Fotos gemacht habe, meldet die Kamera: „Bitte Akku tauschen“. Als absoluter Laie habe ich natürlich keinen Ersatzakku dabei. Wo kämen wir dahin, wenn ich mich annähernd professionell verhalten würde? Danke an meinen Begeleiter für die Mobiltelefon-Bilder. Richtig tolle Bilder von den Briefs und Spika in Snüzz hat Kalle Stille bestimmt bald auf auf seiner Webseite für euch.
Vor einiger Zeit habe ich mich ein paar Leuten darüber unterhalten, wie das wohl bei den Briefs auf dem Konzert sein wird. Kommen viele, ganz wenige? Anfang der 2000er waren sie mit ihrem schmissigen, neu interpretierten 77er-Punk und dem gewissen Gefühl für einprägsame Melodien eine große Nummer. Aber kümmert das auch mehr als 10 Jahren Bandpause jemanden? Definitiv ja. Selten sehe ich so viele bekannte Gesichter auf einem Konzert. Zwischendurch fühlt es sich fast an, als sei die Zeit stehen geblieben. Gefühlt jeder Gesprächspartner fragt mich nach einem anderen Briefs-Auftritt in Stuttgart. „Waren wir zusammen im Schocken?“ – „Sind die im Schlesinger aufgetreten?“ Ich habe noch einmal in meinem Stapel mit Eintrittskarten durchsucht eine und vom 3. August 2004 im Universum gefunden. Da zusammen mit den Real McKenzies.
Leider nur ein unscharfes Bild von Spika in SnüzzDie Briefs im Goldmark\'s Stuttgart
Jetzt und sie also wieder da – anscheinend auch nur ein Mitglied ausgewechselt und ein paar Falten mehr im Gesicht. Ich nenne das die Rod-Stewardisierung. Der Auftritt ist aber sehr frisch, motiviert und macht einfach Spaß. Songs wie „Poor and weird“ oder „We Americans“ sind einfach Hits, die nicht vergehen. Publikum ist auch begeistert und geht gut mit, so weit ich das von meinem Alt-Herren-Platz aus sehen kann. Nach dem Konzert entscheide ich mich gegen die neue Single und dafür, die LP-Sammlung zu vervollständigen. Super, wenn man die Merchandiserin mehrere Mal vergeblich auf Englisch anspricht und dann auf Deutsch eine Antwort erhält. Wie ich so rumstehe, wirft ein Nebenmann aus einer dreiköpfigen Männerriege einen Blick auf die Platten, deutet auf den Schriftzug und meint: „Super Band!“ Etwas verwirrt stimme ich ihm zu. Dann fragt er: „Wo hast du denn die Platte her?“ Noch verwirrter deute ich auf den Merchandisestand. „Die haben aber nicht heute hier gespielt? Ich habe die nämlich vor ein paar Jahren gesehen. Das war toll.“ „Doch.“ – „Wirklich?“ – „Ja, klar. Da drüben steht einer von ihnen.“ „Oh nein. Wir haben noch überlegt, wo wir heute hingehen, sind dann aber erst in eine Cocktailbar. Jetzt bin ich aber doch ein wenig sauer auf meinen Kumpel.“ Die Aufforderung mit meinen LPs zur Band zu gehen und zu fragen, ob sie noch mal spielen, lehne ich höflich ab. Vielleicht kommt ja eine neue Platte, Tour und dann klappt es auch mit dem vorher informieren, was in Deutschlands größtem Vorort los ist. Und ich nehme einen aufgeladenen Akku mit. Profimäßig eben.